Rezension: Schattenhauch – Ruinen der Dämmerung

SchattenhauchTitel: Schattenhauch – Ruinen der Dämmerung
Autorin: Tanja Bern
Verlag: Impress
Seitenzahl: 261
Kurz und knapp: Interessante post-apokalyptische Ansätze, wobei die Handlung ab der Mitte leider eher flachfällt..

Die siebzehnjährige Amelie ist einer der wenigen übrig gebliebenen Menschen einer veränderten Welt. Umringt von riesigen Festungswällen führen sie und die anderen Dorfbewohner ein einfaches naturverbundenes Leben ohne Strom, Gas und allem, was seit der zerstörerischen Chemiekatastrophe vor dreißig Jahren vernichtet wurde. Amelie kennt es nicht anders, sie ist glücklich. Mögen da draußen im undurchdringlichen Urwald die Schatten lauern, sie weiß, dass ihr nichts passieren kann, so lange sie hinter den Barrieren bleibt. Aber dann geschieht etwas, was sie zum Verlassen des Dorfes zwingt. Und zwar ausgerechnet mit dem Jungen an ihrer Seite, den man einst in den düsteren Wäldern gefunden hat…

Banner (2)Meine Meinung

Schattenhauch ist ein Buch, bei welchem ich den Klappentext gelesen habe und einfach wusste, dass ich das Buch haben musste. Und tatsächlich — ich war am Anfang des Buches mehr als hingerissen vom Konzept der Geschichte! Durch einen geheimnisvollen Prolog konnte mich Schattenhauch – Ruinen der Dämmerung ziemlich schnell fesseln und ich hatte auch so keine Probleme, in die Geschichte einzutauchen. Der Hauptgrund dafür lag an den interessanten Dystopieansätzen, die sich die Autorin ausgedacht hat. So handelt es sich bei dem Buch um eine postapokalyptische Geschichte, bei der die Welt auf menschengemachte Naturzerstörung zurückgeht. Ich war fasziniert von der Welt, die Tanja Bern erschaffen hat: So hat die Welt, in der die Hauptcharakterin Amelie lebt, die Oberhand übernommen. Auf der Suche nach neuen Energiequellen (die immer noch existieren) wurde die Erde zerstört, Penticillin konnte man ohne weiteres selber herstellen und allgemein geht das Buch vom Weltenaufbau her sehr ins Naturwissenschaftliche rein, was mich SEHR positiv überraschen konnte.

Amelie, die Protagonistin im Buch, lebt in einem der sogenannten Tälern, wo sie sicher vor den Gefahren im Urwald, insbesondere den Schatten, ist. Auch hier war ich sehr von der Kontrastvielfalt im Buch überrascht: Einerseits gibt es die scheinbar sichere Welt; direkt nebenan allerdings ist die Macht der Natur überwältigend. Wildtiere, Raubkatzen und allgemein exotische Tiere laufen dort frei rum, weil sie aus den Zoos ausgebrochen sind — diese Tatsache hat mich sehr geschockt, weil sie tatsächlich möglich sein könnte (die Tiere kommen nicht aus einem anderen Kontinent! Menschen sind für den Ausbruch der Wildnis verantwortlich!). Auch das Leben im Tal war total anders, als ich erwartet habe: So ist es in der technologischen Hinsicht sehr primitiv; das soziale Leben ist der normalen Welt aber nicht unähnlich: Es gibt normale Schulen, Schüler müssen Hausaufgaben machen, Familien müssen normal den Tisch decken etc..
Als Amelie und Derlyn gezwungenermaßen in die Wildnis müssen, ändert sich alles für sie — und auch in der Geschichte. Merkwürdige Gestalten laufen draußen rum –wie z.B. die Shivaja, die Mutationen von Menschen sind und erweiterte Fähigkeiten haben, die normalerweise nur Tiere besitzen. Wieder einmal bin ich fasziniert, wie logisch Tanja Bern ihre Existenz erklärt — und wie überzeugend sie die Entwicklung dieser neuer Gruppe von mutierten Menschen darstellt. In deren Art erinnern sie mich sehr an die Na’vi aus dem Film Avatar – Aufbruch nach Pandora, was ich sehr interessant fand.

Umso enttäuschter war ich, als die Geschichte langsam bergab geht.

Derlyn, besagter Junge mit dem ungewöhnlichen Aussehen, übt eine Faszination auf Amelie auf, der sie sich nicht entziehen kann. Ich allerdings, hätte sehr gerne darauf verzichtet. Tatsächlich konnte ich mich nie wirklich mit Derlyn anfreunden, obwohl es nicht wirklich daran lag, dass er als Person uninteressant ist. Schon als Säugling im Wald gefunden, wo es nur von Gefahren nur wimmelt, wächst er als Findelkind bei Ella (die übrigens im Prolog vorkommt und für mich einer der interessantesten Charakteren darstellte) in einer der Täler auf. Niemand hat Ahnung von seiner Herkunft, und abgesehen davon, dass er von seinen Mitschülern im Teenageralter ab und an gehänselt wird, hat er doch eine relativ normale Kindheit. Auch bei seinem Charakter hat sich Tanja Bern etwas sehr ungewöhnliches ausgedacht: So hat er ein fast androgenes Aussehen, was sich aber niemand wirklich erklären kann. Dass er der Schlüssel zur Außenwelt ist, machte mich nur noch neugieriger.

Vielleicht ist er aber als Person doch zu weiblich geblieben (und nicht nur in hinsichtlich seines Aussehens!). So ist er sehr naturverbunden; wenn es ums Kämpfen geht, war er mir aber doch zu weinerlich. Zwar entwickelt er sich im Verlaufe des Buches zu einer selbstbewusstere(re)n Person, jedoch ging der Eindruck, dass er einfach ein (hm) (Entschuldigung) Knirps ist, nicht weg. Er ist sentimental, feinfühlig — aber einfach ohne Kanten. Ich konnte mich mit seiner Persönlichkeit nicht identifizieren und ich hatte leider nie das Gefühl, dass er ein greifbarer Charakter ist. Darüber hinaus gibt es etwas, was mich an seiner Person sehr gestört hat, allerdings betone ich, dass dies nur meine persönliche Meinung ist und nicht in die Buchbeurteilung mitreingeht: Ich finde den Namen Derlyn einfach SCHRECKLICH. Allgemein mag ich es nicht sehr gerne, wenn neue Namen einfach erfunden werden, aber Derlyn ist einfach ein Name, der sich sehr weiblich anhört und leider bei mir nicht punkten konnte.

Darüber hinaus konzentriert sich das Buch sehr auf die Liebesgeschichte zwischen Derlyn und Amelie, was ich anfangs noch sehr süß und niedlich fand. Nach dem zigtausendsten Mal “zaghaft schmiegt sich Amelie an Derlyn” oder “Derlyn blickt Amelie tief in die Augen” oder “Amelie klammert sich noch fester an Derlyn, weil sie Angst hat im Wald” hat es mir aber doch gereicht (okay, die Zitate sind jetzt zwar ausgedacht, aber viele Szenen verliefen nach diesem Motto). Ferner wirkten die Dialoge zwischen den beiden viel zu aufgesetzt, dass man ihnen die gegenseitige Anziehungskraft einfach nicht abkauft; die Chemie zwischen ihnen stimmt nicht.

Amelie ist eine Hauptcharakterin, die einfach…da ist. Ich kann nicht wirklich sagen, dass sie großartige Leistungen im Buch erbracht hat, bzw. etwas zur Handlung beigetragen hat. Ich habe einfach ihre Rolle im Buch nicht verstanden. Wäre sie der Wildnis alleine ausgesetzt gewesen, wäre sie direkt tot! Zudem hat sie etwas an sich, das nach Naivität schreit. Vielleicht wurde ich vom Cover einfach zu sehr beeinflusst, weil das Mädchen, das höchstwahrscheinlich Amelie ist, einen Killerblick aufhat. Sie ist als Charakter austauschbar und uninteressant; ich hatte den Eindruck, dass ihre einzige Rolle im Buch darin besteht zu existieren, weil die Autorin eine Charakterin braucht, aus der die Geschichte (teilweise) erzählt werden kann.

War anfangs der Schreibstil anfangs noch sehr angenehm zu lesen, da er in gewissen Maßen erfrischend ist (endlich wagt sich eine Autorin wieder an die 3. Person-Erzählweise!), wurde er mit der Zeit immer statischer. Die Autorin bemüht sich, eine besonders sprachlich ausgeprägte Erzählweise zu benutzen, welches fast ins Poetische geht und insbesondere durch Metaphorik und Bildmalerei ausgezeichnet wird. Dies ist am Anfang auch wunderschön zu lesen. Nach einiger Zeit hatte ich aber den Eindruck, dass sie es häufig zu sehr übertrieben hat, sodass es einfach unprofessionell und künstlich wirkt, wodurch der Lesefluss stark beeinträchtigt wurde. Ferner gibt es in meinen Augen viel zu viel Fake-Dramatik im Buch; scheinbare Wendungen, die aber sehr vorhersehbar sind. Mehrmals habe ich in Betracht gezogen, das Buch abzubrechen; warum ich es letztendlich doch zu Ende gelesen habe, war höchstwahrscheinlich, weil ich es als Rezensionsexemplar bekommen habe.
Das Buch bildet einfach keine ganze Einheit; viel mehr sind es immer kleine Handlungsstücke, die mehr oder weniger das Buch ausmachen. Auch wird das Buch aus wechselnden Perspektiven (auch aus der von verschiedenen Shivaja) erzählt; ich persönlich hatte kein Problem damit beim Lesen, aber vielleicht hätte eine einzige dominante Erzählperspektive, die sich von den anderen hervorhebt, dazu beigetragen, dass ich mich mehr in der Geschichte zurechtfinde.

Insgesamt hätte ich mir eine differenziertere Handlung gewünscht; stärkere Charaktere und eine leichtere Sprache. Das Buch war mir zu schwarz und weiß — es gibt nur die einen Guten, jeder hat eine dunkle Seite in sich, wir brauchen Weltfrieden. Zwar hat sich die Autorin bemüht, die Hintergrundsgeschichte der einzelnen Charaktere zu beleuchten, um diese dreidimensionaler zu machen. Für mich persönlich ist dieses aber sehr flachgefallen, weil sich die Autorin dann doch wieder zu zahlreichen Klischees bedient hat nach dem Motto “Du bist nicht Schuld, dass Leute sterben, schuldig ist die ganze Menschheit”. Das Ende kann man letztendlich als gelungen bezeichnen, aber es war keine leichte Fahrt bis dahin. Für Leser, die Fans von postapokalyptischen Geschichten sind mit viel Romanze und ungewöhnlichen Fantasyaspekten, ist das Buch absolut empfehlenswert. Für mich war das Buch aber leider nix, weil die Charaktere zu durchsichtig waren und die sprachlichen Ausdrücke teilweise zu übertrieben waren.

2.5ccVielen Dank an Carlsen Impress für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

 

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