rezension: Im Land der Nachtschattenvögel

ImLandDerNachtschattenvögel

Titel: Im Land der Nachtschattenvögel
Autorin: Katjana May
Verlag: Impress
Seitenzahl: 322
Kurz und knapp: Magische Geschichte mit Anlaufschwierigkeiten

Es scheint nur ein abgegriffenes Büchlein zu sein, das die Schulbibliothekarin der sechzehnjährigen Julie Winter in die Hand drückt. Dass sich hinter dem dicken Sagenwälzer eine ganz neue Welt verbirgt, entdeckt Julie erst, als es schon zu spät ist – und sie sich mittendrin befindet. In einem Land wie aus einem Märchen, mit einer dunklen Herrscherin an dessen Spitze und einem jungen Jäger an ihrer Seite, der ihr wahrscheinlich nicht nur Gutes will. Doch das Geheimnisvollste an diesem Land sind seine Ureinwohner, die Nachtschattenvögel. Um zurück nach Hause zu finden, muss Julie ihren eigenen Weg gehen, den unheimlichen Vögeln folgen und Zusammenhänge aufdecken, die mehr mit ihrer Vergangenheit zu tun haben, als sie es für möglich hält…

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Meine Meinung

Im Land der Nachtschattenvögel ist ein Buch, wozu ich bis zum Ende zweigeteilt stehe. Der Klappentext versprach eine spannende Geschichte à la Tintenherz, und als großer Märchenfan wusste ich einfach, dass ich das Buch lesen musste!

Die Geschichte konnte mich nicht gleich von Beginn packen. Zwar hat die Autorin einen schlichten und lockeren Schreibstil, der mich mit der Zeit immer mehr in den Bann ziehen konnte; allerdings gibt es anfangs zu viele ungeordnete, kurz hintereinander erfolgende Gedankenstränge, sodass die Handlung häufig abgehackt wirkt: Julie bekommt das geheimnisvolle Buch von der Bibliothekarin Frau Ambach, wovon sie Alpträume kriegt; Julie nervt es, dass ihre Mutter ständig mental abwesend ist und so nicht für sie da sein kann; Julie wird durch Frau Ambach in die magische Welt eingeworfen. Ferner wirken die Dialoge, insbesondere zwischen Julie und der Bibliothekarin, häufig gezwungen und formlos, was sich mit der Zeit aber zum Glück ändert.
Erst als sie die seltsame Welt betritt, ändert sich die Leseatmosphäre schlagartig. Erstmal treten Zweifel bei Julie auf, sowie viele viele Fragen: Wie und warum ist sie überhaupt in das magische Reich gekommen und wie kommt sie wieder raus? Was verbirgt Nanna, die gutmütige Frau, die Julie aufnimmt und den Nachtschattenvögel singt, die Julie in Panik versetzen? Obwohl ich durchaus Julies Verwirrtheit und Ängste nachvollziehen konnte, war sie mir zwischendurch doch zu glatt. Zwar vergeht ihre fast jämmerliche Art schnell wieder; allerdings handelt sie zu sehr wie die perfekte Heldin: Sie nimmt ihre Rolle in der Welt fast schon bereitwillig auf (denn nur das Reich alleine entscheidet, was mit jemandem geschieht), da sie für das Gute steht, versucht die böse Herrscherin zu besiegen  und verliebt sich Hals über Kopf. Ich habe auf mehr Ecken und Kanten gehofft, auf mehr Identifizierbarkeit, um wirklich warm mit ihr zu werden.

Die Welt, die Katjana May erschaffen hat, ist wirklich liebevoll und originell gestaltet. So erinnerte sie mich stark an die von Der Zauberer von Oz, deren Magie man sich einfach nicht entziehen kann! Einerseits hat das Reich diese düstere Seite – wie z.B. die Wilde Jagd, die die “Hetzgruppe” der Herrin bilden oder die Nachtschattenvögel -, das von der mysteriösen Herrin tyrannisiert wird; dann wiederum gibt es die bis ins Detail gut ausgedachten Aspekte wie das Verborgene Volk – das geheimnisvolle Volk, das fest mit der Natur verbunden, insbesondere mit Bäumen, zu welchen Julie eine seltsame Anziehung verspürt.
Durch mehrere “innere Monologe” (schließlich ist Julie die meiste Zeit auf der Reise zum Schloss der bösen Herrscherin auf sich alleine gestellt) erfährt vieles über ihre Gedanken und Gefühle. So lernt man so einiges über ihre Ängste und Hoffnungen kennen sowie über ihre familiäre Vergangenheit, was aber den Nachteil hat, dass sich die Geschichte unnötig in die Länge zieht. Zwar ist das Buch auch stark auf Emotionen fixiert; ich persönlich denke, dass aber 40 Seiten weniger der Geschichte nicht geschadet hätten, um der Langatmigkeit zu entgehen.
Einen großen Pluspunkt bilden die Nebencharaktere in der Geschichte, die durch ihre eigenartige Charakterzüge so etwas wie die i-Tüpfelchen im Buch sind. So konnte Tigg – ein Zweigling bzw. Öffner, der Julie auf ihrer Reise im magischen Land begleitet – mich durch seine quirlige und süße Art schon bald überzeugen, wobei er aber auch einen wesentlichen Teil zu des Rätsels Lösung zu Julies Vergangenheit und Zukunft beiträgt.
Auch erfahren wir mehr über Frau Ambach, die Julie überhaupt in das Land “geschickt” hat und anscheinend tiefer mit dem Land und Julies Hintergrundsgeschichte verwurzelt ist, als es zu Beginn scheint. Es hätte sicherlich nicht geschadet, wenn die Passagen um ihrer Geschichte länger gewesen wären, da sich das Buch letztendlich sehr um Julies Geschichte nur dreht.
Nach und nach werden mehr Geheimnisse aufgedeckt, genauso wie mehr Fragen aufgeworfen werden. Wie kann es sein, dass Julie Tigg sehen kann, Leute wie Cass allerdings nicht? Und vor allem: Inwiefern ist Julie der Schlüssel zum Ende des Leidens in der Welt?

Auch an Romanze mangelt es im Buch definitiv nicht! Bald nach ihrer Ankunft in der magischen Welt taucht Cass auf, ein Junge, der stets dunkel angezogen ist und eine seltsam mysteriöse Ausstrahlung hat, den Julie nicht mehr aus dem Kopf kriegen kann. Um ehrlich zu sein war er mir nicht direkt sympathisch – er wirkt Julie teilweise herablassend gegenüber, erscheint aber in den undenklichsten Situationen, um sie zu retten. Oh, und durch Julie spürt er auf einmal wieder, was es heißt, ein Mensch zu sein…määp. Die Wandlung ging mir dann doch ein wenig zu schnell. Zudem unterzieht sich Julie durch ihn einer teilweisen eher negative Entwicklung: Zwar gibt es im Buch keine “Liebe auf dem ersten Blick”-Liebesgeschichte; allerdings kriegt man eindeutig den Eindruck, dass Julie den “Ich verliebe mich in meinen Feind”-Klischee erfüllen muss. Dieses naive Handeln macht das Buch relativ vorhersehbar.
Das Ende konnte mich noch einmal richtig überzeugen: Es rundet förmlich das Buch und lässt die Geschichte angemessen abklingen, was in anderen Büchern häufig fehlt. Ich hatte den Eindruck, dass das Ende tatsächlich klappt, da nicht nur alle Fragen gelöst werden, sondern der Leser mit einem zufriedenen Gefühl entlassen wird.

Insgesamt ist Im Land der Nachtschattenvögel ein unterhaltsames Buch, das den Leser in eine geheimnisvolle und magische Welt entführt. Hat man einmal den eher schwierigen Lesestart überwunden, wird man sich kaum dem Bann der magischen Geschichte entziehen können, das durch Originalität überzeugt. Für Märchen- und Zauberer von Oz-Fans ist das Buch absolut empfehlenswert!

3CCVielen Dank an Carlsen/Impress für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

 

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