rezension: der spiegel der königin

SpiegelDerKöniginTitel: Der Spiegel der Königin
Teil einer Series: Nein
Autor: Nina Blazon
Verlag: Ravensburger Verlag

Der Küchenmagd Elin ist es zu verdanken, dass ein verlorenes Medaillon wieder auftaucht. Königin Kristina nimmt das Mädchen fortan in den Kreis ihrer Vertrauten auf. Für Elin eröffnet sich eine Welt des Glanzes und der Intrigen, in der auch ihre große Liebe wartet…

Nina Blazon kannte ich bis jetzt nur von ihren Werken Faunblut und Die Königsmalerin. Bei beiden Malen kann ich mich erinnern, dass die Autorin es geschafft hat, den Leser in eine völlig neue und zauberhafte (Fantasy)Welt zu entführen, wo vor allem beim 2. Buch der schmale Grat zwischen Fiktion und Realität auf eine völlig neue märchenartige Ebene gepusht wurde. Nicht anders ist es bei Der Spiegel der Königin.

Kaum schlägt man das Buch aus, so wird man förmlich in die verschneite und doch irgendwie majestätische Welt von Schweden gezogen.

Zu dem Beginn des Buches muss ich zugeben, dass ich nicht wirklich begeistert von der Geschichte bzw. der Protagonistin Elin war (allein schon der Name, okay!). Und ganz ehrlich? Der Klappentext ist NICHTSSAGEND. Und zu stark vereinfacht. Er hört sich so an, als ob Elin ein Loser wäre und doch die Menschheit ihre Anmut von einem Tag auf den anderen erkennt. Denn auch die ersten Seiten des Buches scheinen dies zu bestätigen: Elin wird natürlich als Küchenmagd gemobbt und findet nur durch ihre Naivität das Schmuckstück der besten Freundin der schwedischen Königin Kristina, Ebba. Elin nimmt sie als ihr Mündel auf und schon hat Elin die Eintrittskarte in den Palast der Königin. Und ich hätte fast das Buch aufgegeben.

Doch dann wird Elin nach Tre Kronor gebracht – das Schloss in Stockholm – und ein plötzlicher Schwung in der Handlung steht an.
Sehr interessant war – natürlich – die Beziehung zwischen der Königin und Elin. Bis zum Ende hin bleibt Kristina eine sehr vielschichtige Person: Einerseits scheint diese Elin wirklich wohlgegönnt zu sein und führt sie langsam in die Gesellschaft der höheren Kreise ein, aber auch in die Welt der Kunst, Philosophie und der Naturwissenschaft. Es wird deutlich, was für eine fortschrittlichdenkende Frau sie für das 17. Jahrhundert ist durch ihre rebellische Art in einer Welt, die überwiegend von Männern dominiert ist und vom Religionskonflikt geprägt ist. So wird im Buch erwähnt, wie sie die Hexenverfolgung endgültig abschafft; ihre Abneigung gegen eine Heirat wird aber ebenso deutlich. Auch ihre Lebensweise ist nicht leicht durchschaubar: Zum einen lässt sie häufig prunkvolle Veranstaltungen wie Ballete und Theateraufführungen stattfinden; zum anderen ist sie aber auch durch und durch Strategin, wenn es um ihre Machtposition bzw. Regierungsgeschäfte geht und zieht auch gerne mal Männerkleidung an. Das Buch liest sich fast “halb-biographisch” über die schwedische Königin und früher oder später muss man einfach nachgooglen, wie nah die Darstellung von ihr an der “Realität” dran ist.

Real-Life Kristina von Schweden

Real-Life Kristina von Schweden

Elin wiederum hat es zu Beginn nicht leicht am Hofe der Königin. So wird sie von der Gesellschaft als “Bauerntrampel” und “Hurentochter” abgestempelt; von der glitzernden Welt aber kann sie sich (vor allem durch Eingriff von Kristina) nicht trennen. Nur durch Ehrgeiz, Fleiß und Sturheit schafft sie es, mehr und mehr aufzusteigen. Vom naiven 15-jährigen Mädchen wandelt sie sich in eine junge Dame am Hofe. Langsam muss sie allerdings erkennen, dass die Königin nicht unbedingt die Göttin ist, wie sie immer vorgibt. Stattdessen findet sie sich immer wieder verstrickt in Intrigen bzw. als die persönliche Schachfigur von Kristina. Eine fast innige Freundschaft verbindet sie, aber wie lange wird das Vertrauen halten? Dient Elin nur ihrem Land oder inwiefern wird sie von Kristina für persönliche Zwecke benutzen? Obwohl Elin in Kristina stets eine Art große Schwester sieht und Kristina in Elin einen Abbild ihres jüngeren Selbsts, müssen beide doch früher oder später einsehen, wie schmal die Linie zwischen Traum und Realität ist, egal, wie viel Macht man hat.
Auch die Nebencharaktere waren überzeugend und kamen im Buch nicht zu kurz: Sei es Hampus, ein junger Medizinstudent, der Elins bester Freund wird oder Lovise, die strenge aber irgendwie doch liebenswürdige ältere Hofdame, welche beide an Elins Seite stehen in Zeiten, wo sie es am wenigsten erwartet – beide hatten ihren eigenen Charme.

Obwohl das Buch in 3. Person geschrieben ist, konnte ich mich überraschend sehr gut mit Elins Gedanken, ihren Hoffnungen und Ängsten, zurechtkommen. Durch ihre Cleverness, Aufrichtigkeit und ihr Einfallsreichtum erobert sie -wortwörtlich – das Herz des Lesers im Sturm.
Die Liebesgeschichte, die im Klappentext angedeutet wird, tritt nur nebensächlich auf, was ich persönlich für gut halte. Ihr “Love Interest” nämlich ist der Marquis Henri de Vaincourt und wird am Anfang als junger arroganter Adeliger vorgestellt. Langsam aber wandelt er sich zu einem tiefgründigeren Charakter, der sogar Elin den Anstoß gibt, ihr Leben noch einmal gründlich zu überdenken. Insofern habe ich auch nicht mit dem Ausgang der Liebesgeschichte gerechnet.

Der Titel des Buches ist in so vielen Weisen einfach….perfekt. Der perfekteste Titel für ein Buch, das ich jemals gelesen habe: Denn es spiegeln sich dort wortwörtlich die Parallelen zwischen Kristina und Elin: Ihre Sehnsüchte, ihre Sturheit, Leidenschaften und Klugheit.

Fazit
Ehe man sich versieht, ist man an das auf eigener Weise magische historische Schweden gebunden und wird sich kaum davon losreißen können. Durch den flüssigen Schreibstil der Autorin und ihrer Fähigkeit, Orte tatsächlich anschaulich und lebendig machen zu können, ist das Buch ein Must-Read für alle Fans von Nina Blazon sowie von “Historienbücher” ! Nina Blazon ist der lebende Beweis dafür, dass deutsche Historien-Jugendliteratur immer noch fantastisch klappt!

5CC

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